
Archivalien aus dem Kreisarchiv. © Kreisarchiv Herzogtum Lauenburg.
ARCHIVALIE DES MONATS!
Monat April 2025
Personalakte des ersten Kreisarchivars Dr. Hans Ferdinand Gerhard 1925
Monat Mai 2025
Gästebuch des Kreises Herzogtum Lauenburg 1922 bis 1964
Monat Juni 2025
Urkunde zum Verkauf des Dorfes Kerstorp (Kastorf) 1377
Amtseinführung von Dr. Hans- Georg Kaack als Leiter des Kreisarchivs 1968
Karte des Sachsenwaldes 1671
Monat Oktober/November 2025
Fotografien zum Neubau Kreishaus Barlachstraße 1977-1980
Weihnachtsausgabe der Lauenburgischen Zeitung 1925
Gründungsurkunde der Ritter- und Landschaft 1585
Archivalie der Monate April/Mai 2026
Die Hitzler-Werft als Beispiel der Industrialisierung im Kreis
aus: Signatur: KrA RZ Abt. KA Nr. 5186, Anlagen von Schiffsbauwerften und Hammerwerken 1889-1907
Das Ihnen in diesem Monat präsentierte Dokument veranschaulicht an einem Beispiel, dass auch im vorwiegend von Land- und Forstwirtschaft geprägten Kreis Herzogtum Lauenburg Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Einzug hielt.

Das gewerbliche Leben bestimmten in dieser Zeit einige Mühlenbetriebe, Ziegeleien, Brennereien sowie wenige Tabak-, Tuch- und Ledermanufakturen. Heimische Rohstoffe bildeten eine wichtige Grundlage für die Ansiedlung von Industriebetrieben. Bis zu 22 Ziegeleien nutzten – beginnend schon im 17. Jahrhundert – das Tonvorkommen des Gebietes. Ein weiterer Rohstoff waren die heimischen Hölzer, genutzt u.a. zur Zündholzfabrikation. Im Jahre 1860 wurde die erste Zündholzfabrik in Lauenburg durch F.F. Hack erbaut, bereits 1890 beschäftigten vier Zündholzfabriken zirka 130 Arbeiter*innen. Neben den vorhandenen Rohstoffen bildete das Transportwesen einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor der Region. In Lauenburg hatte die industrielle Entwicklung, begünstigt u.a. durch die gute Verkehrsanbindung an der Elbe und die 1853 nach Lauenburg verlängerte Lübeck-Büchener Eisenbahn, schon eingesetzt. Die geografische Lage Lauenburgs an der Elbe war ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des Schiffbaus und der Schifffahrt seit dem Mittelalter.

1861 errichteten die Gebrüder Burmester eine Personendampfschifffahrtsgesellschaft. Auf Anregung dieser Brüder gründete Johann Georg Hitzler 1885 eine Reparaturwerft für Eisenschiffe. Ursprünglich hatte Hitzler in der Pulverfabrik Düneberg bei Geesthacht als Schlosser gearbeitet. Schon 1886 begann er mit dem Neubau eines ersten Schleppkahns. 1892 lief das erste Schiff mit eigenem Antrieb, das Fährboot „Anna“ vom Stapel, welches den Fährdienst von Lauenburg nach Hohnstorf versah. Daneben baute die Maschinenfabrik J.G. Hitzler Werft Schiffsmotoren, Ziegeleimaschinen und landwirtschaftliche Maschinen. 1899 beschäftigte die Werft schon 84 Arbeiter.

Die Söhne Georg und Franz führten die Werft um 1900 weiter, im Ersten Weltkrieg begann man mit dem Bau von Seeschiffen. Franz Hitzlers Entwicklungen führten zu einigen Patenten, u.a. entwickelte er den „Hitzler-Motor“ und das „Hitzler-Ruder“. Den Beschuss Lauenburgs 1945 überstand die Hitzlerwerft fast unbeschadet, 1950 war die Belegschaft schon auf 380 Arbeiter angewachsen. Man baute Küstenmotorschiffe und sogar Eisbrecher. Die immer noch aktive Werft ist seit 2021 im Besitz der Familie Klimenko.
Der südliche Raum des Kreises Herzogtum Lauenburg (Lauenburg und Geesthacht, später hinzukommend Schwarzenbek und Büchen) profitierte stark von der Industrialisierung, ausgelöst u.a. durch die Nähe zu Hamburg und den Verkehrsanbindungen. Die Elbe als Wasserweg und die Hamburg-Berliner Eisenbahn dienten u.a. als zentrale Standortfaktoren für die Ansiedlung von Industrie.
Quellen: Zwischen Stillstand und Wandel. Der besondere Weg des Kreises Herzogtum Lauenburg in die Moderne, Bremen 2001, Weiterführende Literatur: Martin Kleinfeld: Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Lauenburg/Elbe vom 18. bis 20. Jahrhundert, Hamburg 2000, Wichmann von Meding: Bevor Hitzler kam-Nicht nur Lauenburgs Altstadt hat eine bewegte Geschichte, in: Lauenburgische Heimat, Dezember 2002, Heft 162, S. 61-80.