
Archivalien aus dem Kreisarchiv. © Kreisarchiv Herzogtum Lauenburg.
ARCHIVALIE DES MONATS!
Archivalie des Monats September 2026
Lauenburgische Zeitung vom 7. März 1933
Signatur: Kreisarchiv Herzogtum Lauenburg, KrA RZ 16.1 Nr. 57
Aus aktuellem Anlass möchte das Kreisarchiv mit der Archivalie des Monats September 2026 aufzeigen, wie schnell die Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung 1933 die Demokratie aushöhlten und die demokatischen Institutionen im Rahmen der „Gleichschaltung“ vollkommen demontierten.

Anfang der 1930er Jahre veränderte sich im Kreis Herzogtum Lauenburg nach Inflation und Börsencrash wie überall im Deutschen Reich die politische Lage. Nach der 1933 erfolgten Machtübernahme durch die Nationalsozialisten dominierten auch im lauenburgischen bei der nachfolgenden Wahl zum Reichstag die Stimmen für die NSDAP: 53,4 % insgesamt, die Städte Ratzeburg und Mölln lagen ebenfalls über 50 %, lediglich Lauenburg/Elbe fiel mit 39,2 % aus dem Rahmen. Ursächlich dafür waren die Arbeiter*innen der Werften, die für eine hohe Anzahl an KPD-Stimmen sorgten.
Am 31. März 1933 erfolgte die Gleichschaltung der Länder: Gemeinde- und Stadtvertretungen wurden aufgelöst und neu nach den Ergebnissen der Wahl vom 5. März 1933 zusammengesetzt. Einige Bürgermeister hier im Kreis erklärten ihren Rücktritt oder wurden in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. In der Folge wurden diese Amtspersonen nur noch ernannt, nicht gewählt, überliefert sind von den Sitzungen keine Protokollbücher, sondern nur noch die sogenannten Beschlussbücher. Auch die Vereine wurden gleichgeschaltet.


Die Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes vom 4. Februar 1933, die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 sowie das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 schufen die gesetzlichen Grundlagen, z.B. für Post- und Telefonzensur, Hausdurchsuchungen, „Schutzhaft“ und Einweisung ins Konzentrationslager (KZ). Prominentes Beispiel dafür war im Kreis Ernst Schefe (1875-1944) aus Schwarzenbek, Kreistagsabgeordneter, Gemeindevertreter und SPD-Mitglied. Er hatte sich mehrmals öffentlich gegen das Naziregime geäußert, wurde denunziert und in das KZ Neuengamme verbracht, wo er am 26. September 1944 angeblich beim „Frühsport“ starb.
Die nationalsozialistische Rassenpolitik führte des Weiteren am 1. April 1933 zu einer Boykott-Aktion gegen jüdische Bürger*innen in ganz Deutschland, am 9. September 1935 verfügte der Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg die Anlegung einer Judenkartei. Die Anzahl jüdischer Familien war nicht groß, dennoch traf die Verfolgung auch Einwohner*innen aus dem Kreis: Der bekannten jüdischen Familie Rosenberg in Ratzeburg wurde ihr Geschäft in der Domstraße 8 1938 zwangsentzogen. Die Eltern Willy und Martha sowie der jüngere Sohn wurden 1941 in die Konzentrationslager in Riga und Zasavica deportiert und ermordet.
Zudem gab es im Kreis Herzogtum Lauenburg um Schnakenbek eine größere Gruppe Sinti und Roma, die ebenfalls verfolgt wurden. Auch wurden 400 Personen aus dem Kreis aufgrund von Denunziation und ärztlichem Versagen und auf Grundlage des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 zwangssterilisiert, weil sie einfach anders waren.
Mit dem am 16. März 1935 veröffentlichten Gesetz zum Aufbau der Wehrmacht und Einführung der allgemeinen Wehrpflicht begann die Aufrüstung und der Weg zum Zweiten Weltkrieg. Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 wurden die Männer und Söhne der lauenburgischen Familien eingezogen und fehlten sowohl in den landwirtschaftlichen als auch Industriebetrieben. Die Folge war das Einsetzen von Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen, die in ca. 100 Lagern im Kreis Herzogtum Lauenburg unter teils menschenunwürdigen Umständen untergebracht waren. Die größeren Lager befanden sich in Geesthacht (Dynamit AG Düneberg und Dynamit AG Krümmel) sowie in Schwarzenbek (Firma Bauer & Schaurte).
Quelle: Ausstellungstext zur 150jährigen Geschichte des Kreises.
Weiterführendes: Lauenburgische Heimat, Dezember 2008, Heft 180 (Themenheft: Machtergreifung 1933); Lauenburgische Heimat, März 2002, Heft 160 (Themenhaft: Nationalsozialismus im Kreis Herzogtum Lauenburg); Hansjörg Zimmermann: Der Kreis Herzogtum Lauenburg: Von Weimar zum Nationalsozialismus, in: Lauenburgische Heimat, September 1989, Heft 124, S. 58-75.
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